Zürcher Fluglärm-Index – Richtwert überschritten

28.11.2013 - Medienmitteilung

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Der Regierungsrat hat den Bericht zum Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) 2012 verabschiedet. Gegenüber dem Vorjahr ist der ZFI-Monitoringwert um rund 5‘100 Personen auf 58‘800 Personen angestiegen. Zwar ist die Zahl der Flugbewegungen zwischen 2011 und 2012 wiederum zurückgegangen, doch haben vor allem die Zunahme der Anzahl Flüge zwischen 22 und 23 Uhr sowie die veränderte Routenführung den ZFI-Monitoringwert ansteigen lassen.

Der ZFI-Monitoringwert weist die Zahl von Personen aus, die von Fluglärm am Tag stark belästigt bzw. in der Nacht im Schlaf stark gestört sind. Er stieg von 53‘704 im Jahre 2011 auf 58‘784 Personen im Jahr 2012. Das entspricht einer Zunahme um gut neun Prozent. Damit wurde der Richtwert von 47‘000 erneut überschritten. Die Anzahl der tagsüber (6 bis 22 Uhr) stark belästigten Personen blieb zwar gegenüber dem Vorjahr unverändert, mit 28 Prozent deutlich zugenommen hat jedoch die Zahl der während der Nacht (22 bis 6 Uhr) stark gestörten Personen. Fast 97 Prozent der tagsüber stark belästigten Personen und rund 89 Prozent der während der Nacht stark gestörten Personen wohnen im Kanton Zürich.

ZFI steigt trotz rückläufiger Zahl der Flugbewegungen

Das Verkehrsaufkommen am Flughafen Zürich ist zwischen 2011 und 2012 um 3,2 Prozent von 279‘000 (2011) auf 270‘000 (2012) zurückgegangen. Im selben Zeitraum hat hingegen die Zahl der Passagiere von rund 24,3 Millionen auf 24, 8 Millionen, also um knapp zwei Prozent zugenommen. So erfreulich diese Tendenz – die Beförderung von mehr Passagieren mit weniger Flugbewegungen – ist, sie vermochte einem neuerlichen Anstieg des ZFI-Monitoringwertes nicht entgegenzuwirken.

Hauptgrund für den Anstieg des ZFI-Monitoringwerts war die Zunahme der Flugbewegungen nach 22 Uhr bis zum Ende der Betriebszeit sowie die dabei belegten Flugrouten. Die neue, siebenstündige Nachtflugsperre hatte zwar zur Folge, dass die Zahl der Flugbewegungen zwischen 23.30 und 00.30 Uhr im Jahr 2009, dem Jahr vor der Einführung der verlängerten Nachtflugsperre, gegenüber 2012 um rund 50 Prozent abgenommen hat. Jedoch hat die Zahl der Starts und Landungen zwischen 22 und 23 Uhr (bei Verspätungsabbau bis 23.30 Uhr) markant zugenommen. Die mit dem vorläufigen Betriebsreglement (vBR) eingeführte so genannte Flight Level 80-Regel erwies sich jedoch als zweischneidiges Schwert. Gemäss geltender Regelung dürfen Flugzeuge in der Nacht (22 bis 6 Uhr) die ihnen zugeteilte Route erst bei Erreichen von Flight Level 80 (FL 80, d.h. 8‘000 Fuss bzw. rund 2‘500 m ü. M.) verlassen. Da während der Nacht grundsätzlich von Osten her auf die Piste 28 gelandet wird und die Starts zu dieser Zeit nach Norden erfolgen, müssen sie, um nicht in Konflikt mit dem Anflugverkehr zu geraten, nach dem Start aus Sicherheitsgründen nach Westen abdrehen und in einer weiten Linkskurve südlich am Flughafen vorbei nach Osten geführt werden, bis sie eine Höhe von 8‘000 Fuss erreicht haben. Dabei überfliegen sie sehr dicht besiedelte Gebiete wie z.B. das Limmattal, Teile der Stadt Zürich und das Glattal. Dies könnte vermieden werden, wenn die nach Norden startenden Flugzeuge mit östlichen Destinationen bereits früher von der Abflugroute abweichen und nach Osten geleitet werden könnten. Auch der Bund erachtet eine Lockerung der FL 80-Regel für sinnvoll. Deshalb hat er im SIL-Objektblatt Flughafen Zürich, erste Etappe, festgelegt, dass die Flugsicherung während der Nacht ein Flugzeug bereits ab einer Flughöhe von 5000 Fuss von der ihm zugewiesenen Abflugroute nehmen kann, wenn die Staffelung von kreuzenden, d.h. von startenden und landenden Flugzeugen, dies notwendig macht.

Nur noch marginal zum Anstieg des ZFI-Monitoringwerts trug das über dem kantonalen Durchschnitt liegende Bevölkerungswachstum in der Flughafenregion bei.

Flottenerneuerung der Swiss und Förderprogramm «Wohnqualität Flughafenregion»

Wichtigste Massnahme zur Senkung des ZFI ist die bereits beschlossene Erneuerung der Kurzstreckenflotte der Swiss, die ab 2015 stattfinden wird (Ersatz der Avro RJ100 [Jumbolino] durch neue, lärmgünstigere Flugzeuge der CSeries des Herstellers Bombardier). Mittelfristig, d.h. ab 2016, dürfte die vorgesehene Ablösung der Langstreckenflotte durch neue, zweistrahlige Flugzeuge zu einer Reduktion der vom ZFI erfassten Anzahl Personen sorgen.

In dieselbe Richtung zeigt das Förderprogramm «Wohnqualität Flughafenregion», das am 1. März 2012 gestartet wurde. Es hat unter anderem zum Ziel, jene Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mit Beiträgen an Beratungsdienstleitungen und hochwertigen Schallschutz zu unterstützen, deren Liegenschaften übermässigem Fluglärm ausgesetzt sind. Gegen Ende des Berichtsjahres fand ein Versand entsprechender Informationsmaterialien an über 11‘000 Eigentümerinnen und Eigentümer solcher Gebäude statt; über das Programm informiert wird zudem auch mittels Inseraten im Publikationsorgan des Hauseigentümerverbandes des Kantons Zürich.

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Was ist der Zürcher Fluglärm-Index (ZFI)?

Im November 2007 hat die Zürcher Bevölkerung den Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Für eine realistische Flughafenpolitik» angenommen. Kernstück des Gegenvorschlags ist der ZFI, ein Beurteilungsmass, das die Anzahl der vom Fluglärm tagsüber stark belästigten und in der Nacht in ihrem Schlaf stark gestörten Personen wiedergibt. Deren zulässiger Höchstwert, der so genannte Richtwert, wurde vom Regierungsrat auf 47‘000 Personen festgelegt. Der so genannte Monitoringwert, der jährlich erhoben wird, weist die tatsächliche Anzahl der in einem bestimmten Jahr vom Fluglärm stark belästigten bzw. gestörten Personen aus. Der jährlich zu veröffentlichende Bericht zum ZFI gibt Auskunft über die Entwicklung des Monitoringwerts im Vergleich zum Vorjahr sowie im Langzeitvergleich seit 2000/2005. Ausgewiesen werden auch die Gründe für die Veränderung und die Massnahmen, die vom Regierungsrat bei einer allfälligen Überschreitung des Richtwertes getroffen werden sollen.

Der ZFI ist ein weltweit erstmals zur Anwendung gelangendes Beurteilungsmass, das sich an der subjektiven Lärmbelästigung bzw. an der Störung und nicht an der objektiv gemessenen oder berechneten Belastung orientiert. Er berücksichtigt damit den Umstand, dass sich nicht alle Menschen bei einer bestimmten Lärmbelastung gleich stark gestört / belästigt fühlen. Der ZFI trägt auch den besonders sensiblen Tagesrandstunden Rechnung. Fluglärm von 6 bis 7 Uhr und von 21 bis 22 Uhr wird dreimal stärker gewichtet.

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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